Apostel Reto Keller stellte in seiner Predigt das Christuswort aus Johannes 8,12 ins Zentrum: „Ich bin das Licht der Welt.“ Dieses Licht, so betonte er, wirke weit über das Sichtbare hinaus – es gelte nicht nur der irdischen, sondern ebenso der jenseitigen Welt. Die Gemeinde sei stets größer, als es das menschliche Auge erfassen könne, denn Gottes Heil und Wirken umspannten Lebende und Entschlafene gleichermaßen.
Gerade in der Adventszeit, die für viele Menschen mit Freude, für andere aber auch mit Einsamkeit oder Belastung verbunden sei, werde deutlich, wie notwendig dieses göttliche Licht sei. Mit der Menschwerdung Jesu Christi habe Gott selbst den Weg zu den Menschen gesucht, um jede Trennung zu überwinden. Diese Liebe sei universell: Der Zugang zu Gott stehe allen offen, die ihn suchen – ohne Exklusivität, ohne Vorbedingungen.
Licht bedeute Orientierung, Sicherheit und Leben. Wie in der Schöpfung am Anfang das Licht die Voraussetzung für alles Gedeihen war, so schenke Christus auch heute Klarheit für den Lebensweg. Wer im Licht des Herrn wandle, dürfe mutig vorangehen. Dieses Licht sei dabei kein fernes Leuchten, sondern eine nahe Quelle, die wärmend wirke und das Herz berühre. Christus kenne das Menschsein mit all seinen Freuden und Leiden – und gerade darin liege seine Nähe zu jedem Einzelnen.
Besonders eindrücklich hob der Apostel die Wirkung dieses Lichtes im Innern des Menschen hervor: Erleuchtete Herzen ermöglichten eine neue Sichtweise – auf die eigene Berufung, auf die Zukunft bei Gott und auf den Mitmenschen. Nicht das Trennende, sondern das Vorhandene und Gute trete in den Vordergrund. Der Glaube eröffne den Blick für die kommende neue Welt, die über das Vergängliche hinausreiche.
Abschließend erinnerte Apostel Keller an die Verheißung der Wiederkunft Christi. Jesus wisse, woher er gekommen sei und wohin er gehe – und er habe den Weg dorthin eröffnet. Dieser Weg sei Christus selbst. Im Vertrauen auf ihn dürften die Gläubigen hoffnungsvoll in die Zukunft gehen und im Haus des Herrn bleiben.
Der zum Predigtbeitrag gerufene Bischof Rudolf Fässler vertiefte das Thema Licht und ermutigte die Gemeinde, sich erleuchten zu lassen und selbst Licht zu sein. Jesus Christus habe die Welt und die Menschen immer wieder „ins rechte Licht“ gerückt und falsche Bilder von Gott und vom Menschen korrigiert. Wer sich diesem Licht öffne, werde befähigt, andere mit den Augen Gottes zu sehen und gemeinsam dem Ziel der neuen Schöpfung entgegenzugehen.
Der Diakon blickte in seinem letztmaligen Dienen vom Altar aus in Dankbarkeit auf seine langjährige Amtstätigkeit zurück und betonte die Bedeutung der Gemeinschaft, die einander trägt und stärkt. Auch im Ruhestand wolle er der Gemeinde weiterhin dienend verbunden bleiben und dazu ermutigen, das Licht des Glaubens gemeinsam zu pflegen.
Der in den Ruhestand kommende Priester verabschiedete sich mit bewegten Worten und verwies auf die vier Adventskerzen als Sinnbild seiner Jahrzehnte als aktiver Amtsträger. Sein Herz, seine Gebete und seine Verbundenheit zur Gemeinde gingen nicht in den Ruhestand, sondern begleiteten die Geschwister weiter – in der Ausrichtung auf Jesus Christus, den Morgenstern und das Licht der Welt.
Die Ruhesetzung der beiden Gottesknechte war geprägt von Dankbarkeit und innerer Bewegung. Der Apostel kannte beide aus seiner früheren Aufgabe als Gemeindevorsteher von Küsnacht und Zumikon. Er gab den in den Ruhestand tretenden Brüdern ein treffliches Wort aus Prediger 9,7 mit auf den weiteren Lebensweg:
«So geh hin und iss dein Brot mit Freuden, trink deinen Wein mit gutem Mut; denn dein Tun hat Gott schon längst gefallen».