Zu Beginn entwarf Apostel Pfützner das Bild der Gemeinde als Orchester: viele Instrumente, unterschiedliche Klangfarben, leise und starke Stimmen. Erst im Zusammenklang entsteht Musik. Jede Stimme wird gebraucht – niemand ist entbehrlich.
Doch das Bibelwort aus Josua 23,11 führt über dieses Bild hinaus in eine größere geistliche Tiefe. Es sind die Worte eines alten Hirten am Ende seines Lebens – kein Aufruf zum Aufbruch, keine Vision, sondern ein Vermächtnis. Josua spricht zu Menschen, die im verheißenen Land angekommen sind. Gerade darin liegt ihre Gefahr: Gefährdet sind oft nicht die Suchenden, sondern die Angekommenen. So stellt sich unweigerlich die Frage: Welche Worte würden wir am Ende unseres Lebens hinterlassen? Woran sollte man sich erinnern? Bemerkenswert ist, dass Josua die Liebe zu Gott nicht befiehlt. Liebe lässt sich nicht erzwingen. Darum richtet er den Blick auf etwas anderes:
„Habt ernstlich Acht auf euch selbst, dass ihr den HERRN, euren Gott, liebt.“
Nicht Gott ist in Gefahr, vergessen zu werden – der Mensch ist es, der sich innerlich entfernen kann. Vermischung mit anderem, schleichende Gewöhnung und geistliche Bequemlichkeit lassen Bindung langsam erodieren. Denn Liebe stirbt selten durch einen plötzlichen Bruch. Meist geht sie durch Vernachlässigung verloren. Was keine Aufmerksamkeit mehr erhält, verliert seine bindende Kraft. Achtsamkeit bedeutet daher, darauf zu achten, was das eigene Herz füllt, woran man sich gewöhnt und was das Leben prägt. Im biblischen Verständnis meint Liebe nicht in erster Linie ein Gefühl, sondern Bindung, Treue und Ausrichtung der ganzen Existenz. Geht diese Bindung verloren, verliert der Mensch letztlich sich selbst. Nicht Gott ist der Nutznießer unserer Liebe – wir sind es.
Jesus greift diesen Gedanken auf und führt ihn weiter: „Wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein“ (Matthäus 6,21). Und im höchsten Gebot wird die Liebe zu Gott zur grundlegenden Ausrichtung des Lebens (Matthäus 22,37). Darum gilt es immer wieder zu fragen: Worin investieren wir Zeit und Kraft? Was bestimmt unsere Prioritäten? Glaube lebt nicht von religiöser Gewohnheit oder der Einhaltung von Regeln, sondern von Beziehung. Diese Beziehung braucht Aufmerksamkeit, Zeit und einen entschiedenen Willen zur Bindung. Jeder neue Tag ist ein Geschenk Gottes und eine Einladung, das eigene Herz neu auszurichten. Der Apostel ermutigte die Gemeinde, zur „ersten Liebe“ zurückzukehren und die Beziehung zu Gott wach zu halten.
Nach der Abendmahlsfeier wurde Hirte Walter Eichenberger als Vorsteher verdankt und entlastet und Priester Thiemo Brunner durch den Apostel als neuer Vorsteher für die Gemeinde Heiden beauftragt und mit Heiligung und Segnung ausgerüstet.